Wennigsen for Future – Antworten auf offene Fragen jetzt online

Bild: Georg Weber (HAZ)

Wir sind von der großen Anzahl an Teilnehmenden überwältigt – über 120 Personen waren dabei und haben mit unseren Expert*innen diskutiert. Ein Teil der offen gebliebenen Fragen ist bereits beantwortet – die Antworten finden Sie hier:

Warum werden innerdeutsche Flüge nicht verboten? Klassenfahrten nach Indien (per Flugzeug für 10 Tage) werden vom Staat finanziell unterstützt.

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Bevor innerdeutsche Flüge verboten werden, müssen wir Alternativen zur Verfügung stellen. Daher senken wir die Mehrwertsteuer für Bahntickets und geben der Deutschen Bahn in den kommenden 10 Jahren 10 Milliarden mehr Eigenkapital.
Die Ausgestaltung von Klassenfahrten ist in der Zuständigkeit der jeweiligen Schulen. Finanzielle Unterstützung bei Auslandsreisen werden durch das Kultusministerium Niedersachsen gewährt, wenn die Auslandsreise dem kulturellen Austausch dient. Inwieweit der kulturelle Austausch zugunsten des Klimaschutzes eingeschränkt wird, sollte jede Schule selbstständig entscheiden.

Fleischproduktion für den Müll? Massenhaft wird Fleisch weggeworfen. Wir brauchen dringend ein Gesetz, das Lebensmittel nicht weggeworfen werden dürfen (Einzelhandel). Erbsenimporte aus Simbabwe gehören verboten.

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Im Koalitionsvertrag haben wir eine nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung vereinbart, die die gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen soll. Bundesministerin Klöckner hat im Februar ein Strategiepapier dazu vorgelegt. Ziel ist es, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung in Deutschland pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren. Um dieses Ziel zu erreichen, reichen freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft nicht aus. Wir brauchen unter anderem ein Gesetz, das Händler und Produzenten dazu verpflichtet, mit Tafeln und anderen Organisationen zusammenzuarbeiten. Allerdings ist auch jede und jeder selbst in der Verantwortung zu handeln.

Wieso spricht niemand darüber, dass die CO2 Besteuerung durch das Internet so hoch ist, wie der weltweite Flugverkehr. Was ist in dieser Hinsicht an Einsparungen geplant?

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Der enorme Energieverbrauch von Rechenzentren ist auf der politischen Agenda. Bei der 92. Umweltministerkonferenz im Mai dieses Jahres beschlossen die Umweltminister und -senatoren eine Green-IT-Initiative der Länder und benannten dabei „Energie- und Ressourceneffizienz von Rechenzentren“ als zentrales Handlungsfeld. Es gibt verschiedene Förderprogramme von Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium. Effiziente Rechenzentren können schon heute mit dem Blauen Engel ausgezeichnet werden. Um den Stromverbrauch zu senken und die Abwärmenutzung zu erhöhen, sind jedoch noch weitere Schritte notwendig.

Wieso wird der öffentliche Nahverkehr nicht günstiger und attraktiver mit kürzeren Taktungen?

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Damit immer mehr Menschen Alternativen zum Auto erhalten, ist mir ein günstiger und besser getakteter Nahverkehr sehr wichtig. Im jetzt durch das Kabinett beschlossenen Klimaschutzprogramm gibt es verschiedene Projekte, um den ÖPNV attraktiver zu machen. Ab 2021 wird jährlich eine Milliarde Euro mehr für den Ausbau des ÖPNV bereitgestellt, ab 2025 jährlich zwei Milliarden Euro mehr. Der Bund wird zehn weitere Städte bei der Einführung von 365-Euro-Ticktets unterstützen. Dies sind Schritte in die richtige Richtung, denen jedoch noch weitere Schritte folgen müssen.
Ein sehr gutes Beispiel für günstigen Nahverkehr ist die Jugendnetzkarte der Region Hannover, mit der junge Leute für 15 Euro im Monat uneingeschränkt im gesamten GVH-Gebiet mit Bussen und Bahnen fahren.

Warum dauert es so lange ein Endlager für den Atommüll zu finden? Was tut das Gremium für die Findung konkret?

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Das Endlager muss für eine Million Jahre Sicherheit bieten. Bei der Endlagersuche wird der Transparenz ein hoher Stellenwert eingeräumt, da keine Region ein solches Lager möchte. Auf den jahrzehntelangen Protest in Gorleben sei verwiesen.
Die Aufgabe des nationalen Begleitgremiums ist das Standortauswahlverfahren vermittelnd und unabhängig zu begleiten„…mit dem Ziel, so Vertrauen in die Verfahrensdurchführung zu ermöglichen.“
Zurzeit läuft Phase 1 – die Auswahl möglicher Standortregionen. Diese Phase hat mit Inkrafttreten des neuen Standortauswahlgesetzes 2017 begonnen und dauert bis zum Beschluss des Bundestages über die übertägig zu erkundenden Standortregionen. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ermittelt nach festgelegten Kriterien mögliche Standortregionen. Zuerst sind ungünstige Gebiete, zum Beispiel Erdbebenregionen, auszuschließen. Die BGE erarbeitet dann Vorschläge, welche Standorte übertägig erkundet werden sollen. Der Zwischenbericht Teilgebiete ist für Mitte 2020 angekündigt. Der Bundestag entscheidet dann, welche Standorte übertägig erkundet werden.

Zu den erneuerbaren Energien gehören auch Luft- und Erdwärmepumpen. Warum wird diese Möglichkeit nicht stärker gefördert? Dadurch lässt sich der Primärwärmebedarf Öl/Gas/Kohle deutlich reduzieren.

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Das Klimaschutzprogramm sorgt mit ausgeweiteten Förderprogrammen dafür, dass möglichst viele Eigentümer*innen die Modernisierung ihrer Wohnungen nicht aufschieben müssen. Und dass sie dann, wenn eine Investition ansteht, sich für die klimafreundliche Variante (z.B. Wärmepumpe und die energetische Sanierung)  entscheiden und nicht für die Öl- oder Gasheizung. Investitionen in den Klimaschutz in Gebäuden werden durch neue steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten attraktiver.
Durch die CO2-Bepreisung werden fossile Energieträger be- und Strompreise entlastet. Bei einem stärker steigenden CO2-Preis wird eine Lenkungswirkung zugunsten von Wärmepumpen stattfinden

Warum sagen Sie das Elektromobilität eine Lösung ist? Das ist doch noch schlimmer. (Akkus = 100000km; alle 6 Jahre)

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Das Bundesumweltministerium hat eine Bilanz erstellt, die einige Aspekte von E-Autos genauer unter die Lupe nimmt – und zwar über den gesamten Lebenszyklus inkl. Herstellung und Entsorgung sämtlicher Fahrzeugkomponenten. Beim Fahren verursacht ein E-Auto keine CO2-Emissionen. Auch wenn wir den CO2-Ausstoß bei Produktion des Fahrzeugs und bei Stromerzeugung (auf Grundlage des aktuellen Strommix in Deutschland) einbeziehen, liegen die CO2-Emissionen eines E-Autos deutlich unter denen von Benzinern & Diesel-Pkw.
Aber Elektrofahrzeuge sind kein Allheilmittel, um den Straßenverkehr klima- und umweltfreundlich zu machen. Eine lebenswerte Stadt braucht nicht zuletzt mehr öffentliche Verkehrsmittel, mehr Radverkehr und kurze Wege zwischen Arbeiten, Wohnen und Versorgung.

Dieser interessante Abend mit großartigen Menschen hat mich bestärkt: Es braucht Bürger-Gesprächsrunden mit der Kompetenz an den politischen Entscheidungen mitwirken zu können. Können Sie sich für ein Mitentscheidungsrecht für allen aktiven Bürger einsetzen?

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Ich kann mir vorstellen, dass per Zufallsauswahl ermittelte Menschen in enger Anbindung an die Politik Lösungen in der Klima- und Energiepolitik erarbeiten. Ich bin zu diesem Thema in Kontakt mit Organisationen wie Mehr Demokratie. Gerade vor Ort gibt es aber heute schon zahlreiche Möglichkeiten sich politisch einzubringen.

Welche Dienstwagen hat eigentlich der Deutsche Bundestag? Ohne Quatsch es geht um Vorbilder! Und es gibt eine SPD Umweltministerin.

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Die Dienstwagen des Fuhrparks müssen dem „neuesten Stand der Umwelttechnik“ entsprechen. Schon im Jahr 2012 wurde beschlossen, dass die Wagen den Grenzwert von 120 g CO2/km einhalten müssen. Der Ältestenrat des Bundestages hat vor wenigen Wochen festgelegt, dass neben Flugreisen auch die Fahrten mit den Dienstwagen klimaneutral gestellt werden.
Im Klimaschutzprogramm sind auch Maßnahmen enthalten, damit die Bundesverwaltung ihrer Vorbildfunktion gerecht wird und eine treibhausgasneutrale Bundesverwaltung bis 2030 erreicht wird.
Der Dienstwagen von Svenja Schulze ist ein 7er BMW Plug-in, der 55 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Und damit deutlich weniger als die Dienstwagen anderen Mitglieder des Kabinetts.

Warum keine Steuer auf Luxusgüter?

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Weil sich dann der reiche Teil der Bevölkerung diese Güter weiterhin leisten kann, der Großteil der Bevölkerung aber nicht mehr. Daher halte ich es für den falschen Weg über immer höhere Steuern eine Lenkungswirkung zu erzielen. Gerechter ist es, wenn der Staat Verbote ausspricht. An solch ein Verbot müssen sich alle halten, egal, ob sie reich oder arm sind. Neben diesem Grundsatz schließe ich aber nicht aus, bestimmte Güter höher zu besteuern.

Woher kommt der Strom für E-Autos?

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Gerade schon zu 43 Prozent aus Erneuerbaren Energien. Denn die Erneuerbaren Energien haben in den ersten drei Quartalen 2019 zusammen 42,9 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland gedeckt. 2030 soll der Strom dann bereits zu zwei Dritteln aus Erneuerbaren Energien stammen.

Ich bin in der KGS und frage mich warum man nicht vegetarisch in unserer Cafeteria (oder generell in öffentlichen Kantinen) essen kann?

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Hast Du schon die Schulleitung darauf angesprochen? Da Forderungen oft mehr Beachtung finden, wenn sie von mehreren Leuten vorgetragen werden, kannst Du auch Mitschülerinnen und Mitschüler ansprechen, ob sie sich auch eine vegetarische Mahlzeit wünschen. Vielleicht gibt es auch eine Friday for Futere Gruppe am KGS, die den Vorschlag unterstützt.

Antwort der SPD-Fraktion im Rat der Gemeinde:

noch offen

Eigentlich müssten alle ihren Konsum einschränken. Warum soll ich das tun, wenn die anderen es nicht machen?

Antwort Dr. Matthias Miersch, MdB:

Jeder kann persönlich etwas für den Klimaschutz tun. Ich würde die Marktmacht der Konsumenten nicht unterschätzen. Nur wenn klimafreundliche Produkte vermehrt nachgefragt werden, gibt es einen Anreiz, dass Unternehmen ihr Produktportfolio ändern.
Aber der Staat muss den Rahmen vorgeben. Einmal dadurch, dass er massiv investiert und klimafreundliche Alternativen zur Verfügung stellt, zum Beispiel einen besser ausgebauten ÖPNV. Aber auch dadurch, dass er Grenzen aufzeigt. Das können Verbote von Wegwerfverpackungen sein, CO2-Grenzwerte für PKW oder Vorgaben für Haltungsbedingungen für Nutztiere sein. Eine Transformation hin zu einer  klimafreundlichen Wirtschaftsweise können die Bürgerinnen und Bürger nicht alleine durch ihre Konsumentscheidung erreichen. Hierzu ist ein starker Staat mit gesetzlichen Vorgaben und Investitionen erforderlich.

Antwort von Prof. Dr. Gunther Seckmeyer:

Immanuel Kant war ein deutscher Philosoph, der sich schon im 18. Jahrhundert über diese Frage sehr generelle Gedanken gemacht hat. Er lebte zur Zeit der Aufklärung, die uns immer noch sehr bestimmt. Er formulierte den nach ihm benannten sogenannten kategorischen Imperativ, der besagt (in einer seiner verschiedenen Versionen):

Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.

Dieser Satz ist der Versuch, einen Maßstab für gerechtes Handeln zu finden.
Außerdem möchte ich anführen, daß der Klimawandel auch Sie betrifft, die Folgen spüren Sie jetzt schon und in Zukunft werden Sie sie noch mehr spüren. Wir müssen es schaffen gemeinsam zu handeln. Das fängt bei Ihnen persönlich an. Sie sind ein Vorbild für andere, in Ihrem unmittelbaren Umkreis und für die Menschen mit denen Sie zu tun haben. Es geht dann weiter auf Wennigsen, dann auf das Land, dann auf die Bundespolitik (Herr Miersch kann nur dann etwas tun, wenn wir ihn auch dabei unterstützen), in Europa und schließlich in der ganzen Welt. Wenn alle sagen würden „warum ich?“ passiert gar nichts. Das wird auch in dem folgenden Artikel gut erklärt:
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimakrise-gemeinsam-gegen-den-golem-a-1286896.html

Was kann jeder einzelne tun, um zur Begrenzung der Erderwärmung beizutragen?

Antwort von Prof. Dr. Gunther Seckmeyer:

Es gibt zahlreiche Menschen, die sich dazu Gedanken gemacht haben. Besonders hilfreich finde ich die folgenden zwei Artikel
https://www.spiegel.de/wirtschaft/klimawandel-das-koennen-sie-persoenlich-dagegen-tun-a-1240539.html
https://www.umweltbundesamt.de/themen/klimaneutral-leben-im-alltag

Im Artikel des Umweltbundesamts finden Sie auch einen CO2-Rechner mit dem Sie ihren persönlichen Beitrag erfassen können. Das gibt Ihnen dann konkrete Hinweise, was Sie (oder andere Personen) konkret unternehmen können.
Sie werden dadurch aber nur bis zu einer gewissen Grenze kommen, ohne politisches Handeln geht es nicht. Reden Sie darüber mit den Politikern in Ihrem Wahlkreis, nicht nur von der SPD, sondern mit allen Parteien. Mischen Sie sich ein!
Antworten auf Ihre Frage, finden sich auch in den Antworten auf Frage 13. Auch bei Frage 14 finde ich diesen Artikel passend: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimakrise-gemeinsam-gegen-den-golem-a-1286896.html

Wie hoch ist der Photovolatikanteil in Wennigsen im Vergleich zur Region?

Antwort von Udo Sahling:

Folgende Aussagen lassen sich auf der Basis der vorliegenden Informationen grob treffen:

  • Der Anteil der lokalen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien am Stromverbrauch liegt mit 14 % deutlich unter dem Durchschnitt der Umlandkommunen
  • Den größten Anteil an der lokalen Stromerzeugung hat die Photovoltaik, gefolgt von der Windenergie (1 WEA);
  • Die Stromeinspeisungen aus lokalen Anlagen sind seit 2015 um fast 20 % gestiegen, was auf den deutlichen Ausbau der Photovoltaik in Kombination mit mehr Solareinstrahlung (Witterungseffekten) zurückzuführen ist
  • Eine ganze Reihe von Umlandkommunen erzeugt inzwischen rechnerisch knapp unter oder über 100% des Stromverbrauches mit Regenerativstrom. Das sind die Kommunen mit einem hohen Besatz von Windenergieanlagen(z.B. Neustadt a. Rbge.; Uetze; Sehnde; Pattendsen; Springe und Gehrden)

Welche Möglichkeiten zur Aufforstung haben wir in Wennigsen? Umwandlung von landwirtschaftlichen Flächen in Wald? Waldstreifen seitens der Verbindungsstraßen zwischen den Ortsteilen schaffen?

Antwort von Ralf Schickhaus:

Wennigsen hat gemessen an der Gesamtfläche unserer Kommune einen Waldanteil von 44,6 % und kann sich getrost die waldreichste Kommune in der Region Hannover nennen. Deshalb sehe ich keinen dringenden Bedarf für weitere Aufforstungen.

Allerdings bestehen aus Sicht des Artenschutzes ebenso wie aus klimatischen Gründen durchaus Bedarf an Aufforstungen zur Vernetzung der waldgeprägten Lebensräume. Vorschläge hierzu wurden bereits 1996 im Forstlichen Rahmenplan für den Großraum Hannover (heute Region Hannover) gemacht.
Die neueste Planung in diesem Bereich ist der Landschaftsrahmenplan von 2013 für die Region Hannover. Dieser sieht im Bereich Wennigsen nur eine Vernetzung aus Richtung Wennigser Mark in Richtung Redderse und Gehrdener Berg durch Gehölzstrukturen und – inseln vor.

Eine Anpflanzung von Gehölzstreifen entlang von öffentlichen Straßen außerhalb der Ortschaften halte ich aus mehreren Gründen für nicht zielführend:

  1. Die durch Bäume und Sträucher angelockten Insekten, Vögel und Säugetiere werden durch den Verkehr dezimiert.
  2. Schalenwildarten wie Reh, Wildschweine und Rotwild ziehen gerne entlang solcher Strukturen in die landwirtschaftlichen Nutzflächen zur Nahrungsaufnahme. Dadurch entsteht ein erhöhtes Wildunfallrisiko.
  3. Auch wenn wir es nicht direkt sehen sind in den Ackerrandflächen immer noch Arten vorhanden, die ursprünglich auf den landwirtschaftlichen Flächen vorkamen und dort durch die erhöhten Nährstoffgaben oder die Pflanzenschutzmittel zurückgedrängt oder ausgerottet worden sind. Durch die nun künstlich erzeugte Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe werden sie zusätzlich zurückgedrängt. M.E. sollten wir aber diese Bereiche freihalten.
  4. Gehölze entlang öffentlicher Straßen müssen aus Verkehrssicherungsgründen jährlich gepflegt und beschnitten werden, damit herabstürzende Äste keine Menschenleben gefährden, verursachen also Kosten und sind in ihrer CO²Bilanz sicherlich nicht besonders positiv.

Ich habe in unserem Hause vor vielen Jahren schon die Diskussion um Anpflanzungen von Gehölzen in der Feldmark geführt. In den vergangenen 25 Jahren haben wir zusammen mit der Jungen Union und dem Nabu unter der Führung von Elke Steinhoff Obstbaumreihen und auch Stieleichen entlang der Wirtschaftswege angepflanzt und gepflegt.
Zwischen Argestorf, Bredenbeck und Sorsum wurde eine Fläche von 1 ha Ackerland von uns mit einem Laubmischwald aufgeforstet. Alle bei uns durchgeführten Maßnahmen waren freiwillig und dienten nicht dem Ersatz von Baumaßnahmen oder anderen Eingriffen. Mir sind von anderen Grundbesitzern im Gemeindegebiet Maßnahmen dieser Größe nicht bekannt.

Leider sind allgemein Flächen in der Feldmark sehr begrenzt tauglich für die Anpflanzungen. Die Landschaft ist in den vergangenen 100 Jahren stark durchstrukturiert worden und hat auf Grund der guten Bodenzahlen wenige Kleinstflächen, an denen Gehölze ungestört vom Großmaschineneinsatz ausreichend Platz hätten. Deshalb ist auch eine Anpflanzung entlang der Wirtschaftswege schwierig, da zum Weg hin die störenden Äste bis in eine Höhe von ca. 5 m abgeschnitten würden und dies ebenso zum Feld hin, um Traktor und Mähdrescher eine freie Zufahrt zu verschaffen. Wenn also eine weitere Aufforstung mit Bäumen zum Klimaschutz gewollt ist, wird dies nur über den Ankauf von ganzen Ackerflächen durch die öffentliche Verwaltung oder durch entsprechende Vereine, die sich durch Mitgliederbeiträge oder öffentliche Finanzierung die nötigen Geldmittel beschaffen, möglich sein.

Meine Ausführungen haben hoffentlich ein paar Informationen geben können und sind nicht zu ernüchternd. Ich bin der Meinung, eine Verbesserung der CO²Bilanz sollte nicht zwingend auf kommunaler Basis durchgekämpft werden. Deshalb ist Wennigsen vielleicht nicht gerade der geeignetste Ort zu Erhöhung der Waldflächen.
Ich finde es viel wichtiger, wenn es uns gelänge, die Intensität der flächigen Bewirtschaftung von Feld- und Waldflächen herabzusenken. Dazu müsste in der Landwirtschaft ein anderer Denkansatz kommen, unser Holzkonsum im Wald müsste sich verändern und wir alle müssten unseren Konsum zurückfahren. Es war bezeichnend für unsere Denke, als ich beim Betreten der Pinkenburg anlässlich der Versammlung das Hinweisschild las: Donnerstag ist Schnitzeltag — 2 Stück für den Preis von 1 —-. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen!

Flächenstilllegungen in Feld und Wald für begrenzte Zeiträume (bis zu 30 Jahre) mit entsprechenden Entschädigungen in Form jährlicher Zahlungen an die dort wirtschaftenden Grundbesitzer mit der Rechtssicherheit, dass nach Beendigung eines solchen Vertragsnaturschutzes die Bewirtschaftung wiederaufgenommen werden kann und nicht durch veränderte Rahmenbedingungen unmöglich gemacht worden ist, wodurch der Besitz weniger wert oder sogar wertlos wurde, wären m.E. ein guter Ansatz. Aber dem stehen leider unsere Naturschutzgesetze und die klammen öffentlichen Kassen entgegen. Kein Wunder also, wenn dann immer versucht wird, diese gesamtgesellschaftlichen Forderungen auf dem Rücken der Eigentümer auszutragen.

 

Auch in der Presse wurde berichtet: